(Achat-) Schnecken vom Wienerwald

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 Betreff des Beitrags: Aufbau der Schneckenschale
BeitragVerfasst: 22. Okt 2010, 19:04 
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Schneckenkönig
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Registriert: 17. Okt 2010, 12:06
Beiträge: 611
Hi, Ihr Lieben,

im alten Forum waren ja schon an unterschiedlichsten Stellen Bemerkungen zum Aufbau der Schneckenschale gefallen, die hier schnell mal - in leicht veränderter Form - zusammengefasst werden sollen.

Die äußerste Schicht der Schale ist das „Periostrakum“ („peri-„ = außen drum rum). Es besteht aus organischen Verbindungen, in der Hauptsache dem Conchin (= Conchiolin = Konchiolin), das dem Chitin der Insekten recht ähnlich ist. Bei den meisten land- und süßwasserbewohnenden Arten ist dieses Periostrakum recht dünn und wirkt wie ein gelblich-bräunliches Häutchen. Es ist vor allem vorne am Mantelrand ganz entscheidend für die Bildung der Kalkschichten: an der listigerweise elektrisch negativ geladenen Unterseite des Periostrakums können sich die positiven Kalzium-Teilchen ablagern und so das Wachstum der Schale ermöglichen. In den älteren Bereichen der Schale soll das Periostrakum die darunterliegenden, kalkreichen Schichten vor der Auflösung schützen.
Nichtsdestotrotz geht das Periostrakum auf den frühen Windungen im Laufe des Lebens oft verloren (es blättert einfach irgendwann ab), was offenbar auch kein großes Drama ist, sofern der Untergrund nicht zu sauer ist.

Unter dem Periostrakum liegen die kalkhaltigen Schichten (mit Kalziumkarbonat in Form von Calcit oder/und Aragonit): grob betrachtet haben wir unter dem Periostrakum das „Ostrakum“, heute zunehmend auch als „Prismenschicht“ bezeichnet. Farbstoffe (= Pigmente) werden i.a. in die obersten Bereiche des Ostrakums eingelagert („Musterkalkschicht“).

Die folgende Abbildung zeigt einen Ausschnitt der Schale einer Achatina fulica aus Thailand (Totfund). „O“ weist auf einen Bereich, wo das Ostrakum nach Abstreifen des Periostrakums offen liegt, daher wirken diese Bereiche weißlich. „P“ markiert einen Bereich, wo das dünne braune Periostrakum gerade noch erhalten ist (aber schon sehr lückenhaft, es wäre auch hier bald ganz verschwunden, wenn das Tier noch länger gelebt hätte).
Bild

Die folgenden Bilder zeigen die dramatischen Schäden bei schlechter Haltung durch Dritte (Bilder von Roberta). Es handelt sich um Exemplare von Achatina immaculata mit weitgehender (linkes Tier) bzw. vollständiger (rechtes Tier) Zerstörung des Periostrakums. Darüber hinaus sind aber auch die tieferliegenden Kalkschichten angegriffen. Über die Ursachen für letzteres kann nur spekuliert werden: in Frage kommen gegenseitiges Benagen des Gehäuses aufgrund von Kalkmangel, eine säurehaltige Ernährung bzw. Umgebung usw.. Wie auch immer: ein langsamer Zerfall des Periostrakums auf den frühen Windungen im Laufe des Lebens ist kein großes Problem, so lange die Lebensbedingungen in Ordnung sind. Genau das waren sie hier aber eben nicht.
Diese Schnecken stammen aus einem Zoo.
Bild Bild

Auch bei lebenden, aber älteren Exemplaren von Megalobulimus ist schön zu sehen, wie stark das Periostrakum schon abgeblättert ist; oft ist es nur noch unmittelbar hinter der Mündung als bräunlicher Überzug vorhanden.

Unter der Prismenschicht (Ostrakum) kann noch eine weitere Schicht, das „Endostrakum“ liegen (= Hypostrakum; Perlmutt-Schicht!), manchmal nur minimal angedeutet, bei einigen Meeresschnecken (und -muscheln) auch mal extrem dick (in allen möglichen Farben schillernd, was aber in diesem Fall nix mit Farbstoffen zu tun hat........).

Bezüglich der Farbstoffe ist zu beachten, dass nicht alle Pigmente in die Schale eingelagert werden, sondern manchmal auch in die äußersten Bereiche des Mantels (wie die folgenden Bilder zeigen).
Links die Manteloberfläche einer jungen A. fulica f. rodatzi, ohne Schale. Rechts ein Ausschnitt der zugehörigen Schale. Die dunklen Punkte scheinen also durch die dünne Schale hindurch.
Bild Bild

LITERATUR:
Übliche Standard-Infos und – bei einigen Details:
LINDNER, G.: Muscheln und Schnecken der Weltmeere -- BLV Bestimmungsbuch 16, BLV Verlagsgesellschaft, München/Wien/Zürich, 5. überarb. und erw. Aufl. 1999, 319 S.


Liebe Grüße: wolf


Zuletzt geändert von wolf am 23. Okt 2010, 16:49, insgesamt 5-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aufbau der Schneckenschale
BeitragVerfasst: 22. Okt 2010, 19:21 
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Schneckenkönig
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Registriert: 16. Okt 2010, 15:35
Beiträge: 4857
Wohnort: Landkreis Darmstadt-Dieburg
Danke,jetzt blicke ich da schon besser durch.
Quincys scheinbar grüne Schneckenhäuschen sind ja auch nicht wirklich grün,sondern weißlich,wenn die Schnecke nicht mehr drin steckt,obwohl der Fuß seiner Schnecken gelb-orange erscheint.

_________________

Erika
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 Betreff des Beitrags: Re: Aufbau der Schneckenschale
BeitragVerfasst: 22. Okt 2010, 19:24 
wolf hat geschrieben:
Es ist vor allem vorne am Mantelrand ganz entscheidend für die Bildung der Kalkschichten: an der listigerweise elektrisch negativ geladenen Unterseite des Periostrakums können sich die positiven Kalzium-Teilchen ablagern und so das Wachstum der Schale ermöglichen. S.[/size]


Jetzt möchte ich mal ganz dumm fragen, wäre es evt. denkbar, daß eine Schnecke "falsch gepolt" ist? Ich meine, wenn ja, könnte man damit Kleinwüchsigkeit oder schlechte Qualität von Häuschen erklären?


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 Betreff des Beitrags: Re: Aufbau der Schneckenschale
BeitragVerfasst: 22. Okt 2010, 20:26 
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Schneckenkönig
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Registriert: 17. Okt 2010, 12:06
Beiträge: 611
@erika: exakt, so wird das wohl sein. Ich bin auch ganz gespannt darauf, wie die Häuschen aussehen und muss sie dann mal mit den Fotos lebender Tiere vergleichen......... . Und die entscheidende Frage ist ja: wie sieht der Mantel eigentlich aus?
@Ruth: das ist eine hyper-spannende Idee :) . So ganz aus dem Bauch ´raus vermute ich mal, dass eine völlige Umpolung (Unterseite des Periostrakums also positiv) die Bildung einer Schale wohl gänzlich verhindern würde, weil sich die positiven Kalzium-Ionen dann eigentlich gar nicht mehr „niederlassen“ könnten („plus“ und „plus“ stößt sich ja ab). Ich bin auch etwas skeptisch, ob das Conchiolin (so, wie es gebaut ist) überhaupt positiv werden kann. Aaaaaber: wie stark das Periostrakum negativ geladen ist, dass hängt wahrscheinlich durchaus vom Stoffwechsel des Tieres (pH-Wert usw.) und den Umweltfaktoren ab, und „zu wenig“ kann ziemlich sicher schon eine Störung der Schalenbildung bedeuten. Tolle Idee....... .
Liebe Grüße: wolf


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 Betreff des Beitrags: Re: Aufbau der Schneckenschale
BeitragVerfasst: 22. Okt 2010, 20:32 
da bin ich ja froh, daß meine Frage vielleicht gar nicht ganz so dusselig war. :roll:


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 Betreff des Beitrags: Re: Aufbau der Schneckenschale
BeitragVerfasst: 5. Nov 2011, 18:40 
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Registriert: 17. Okt 2010, 18:58
Beiträge: 2205
Wohnort: bei Stuttgart
Hallo,
mal eine dumme Frage: Wenn das Periostrakum durch das Conchiolin ähnlich wie Chitin aufgebaut ist, könnte man dann nicht durch Fütterung von chitinhaltiger Nahrung (z.B. verschiedene Trockeninsekten) den Aufbau ein bisschen unterstützen?

_________________
LG Nathalie

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 Betreff des Beitrags: Re: Aufbau der Schneckenschale
BeitragVerfasst: 5. Nov 2011, 19:20 
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Schneckenkönig
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Registriert: 17. Okt 2010, 12:06
Beiträge: 611
Juhu!
Spannende Frage...... . Na ja, es gibt neben gewissen Ähnlichkeiten rein chemisch gesehen schon große Unterschiede zwischen Conchiolin (= Conchin = Conchyolin) und Chitin. Das Conchiolin der Weichtiere ist ein komplexes Eiweiß (z.T. mit Kohlenhydraten vernetzt), während Chitin ja ein reines Kohlenhydrat (hier: Vielfachzucker) ist. Ich habe keine Ahnung, ob Schnecken Chitin spalten können. Ungespalten dürfte es auf jeden Fall zu groß sein, um im Darmbereich in die Hämolymphe aufgenommen werden zu können. Dann aber würde es unverändert und somit ohne Nutzen wieder ausgeschieden. Falls es aber spaltbar ist, dann bekommen wir letztlich Einfachzucker, und die bekommen die Schneckchen ja eh´über das normale Futter.
Für Conchiolin gilt Ähnliches: mit Molekulargewichten zwischen 20000 und 40000 für die sofortige Aufnahme im Darm zu groß, und nach Spaltung durch Proteasen haben wir schlicht Aminosäuren, die sie bei vernünftiger Ernährung auch anderweitig hinreichend bekommen.
Ich bin auch nicht sicher, ob die Steigerung eines Wachstumsfaktors überhaupt irgendwelche Folgen hätte, weil: "mehr als optimal geht nicht". Grobes Beispiel: wenn ich als Kind zu wenig Nahrung und Vitamine bekomme, dann bleibe ich im Wachstum zurück. Eine hohe Dosis von Vitaminen führt aber nicht dazu, dass ich 2 m groß werde....... . Aber das sind jetzt einfach mal ein paar naive Gedanken von mir, vielleicht ist das alles auch ganz anders.......... .
Du kannst ja mal versuchsweise Conchiolin (Periostracum) von Leergehäusen unter das Futter mischen, mal schaun, was passiert. Sicherheitshalber schon mal größere Terrarien besorgen........ ;).
Liebe Grüße: wolf


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 Betreff des Beitrags: Re: Aufbau der Schneckenschale
BeitragVerfasst: 5. Nov 2011, 19:34 
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Registriert: 17. Okt 2010, 18:58
Beiträge: 2205
Wohnort: bei Stuttgart
Die werden groß genug... ;) habe mir nur überlegt, ob meine Mehlwürmer eventuell auch einen Nutzen haben, als ich das zufriedene Knurpsen gehört habe - dachte da an ein schönes, stabiles Periostrakum. :lol:

_________________
LG Nathalie

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