(Achat-) Schnecken vom Wienerwald

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 Betreff des Beitrags: Anatomie der Achatschnecke
BeitragVerfasst: 17. Okt 2010, 21:22 
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Vorwort: Hallo liebe Forenmitglieder.

Seit längerer Zeit geisterte ein grosses Projekt in meinem Kopf herum. Alleine hätte ich mich nie herangewagt, weil mir die nötigen Kenntnisse dazu fehlen. In Wolfgang/wolf habe ich nun den passenden Partner gefunden der das nötige Wissen hat, um ein solches Projekt realisieren zu können.
Unser Projekt begann damit, dass ich eine Achatschnecke zeichnete. Eifrig begann Wolfgang die Organe einzufügen, bis er nach kurzer Zeit mit Entsetzen feststellte, dass das Häuschen meiner Schnecke verkehrtrum gezeichnet war; ein Schneckenkönig sozusagen. Zum Glück dauerte der Schrecken nur ein paar Sekunden lang, - man kann das Bild ja wenden - :wink: Dann wurden die Organe noch ein paar mal hin und hergeschoben, bis dann schlussendlich dieses hübsche Schneckchen entstanden ist.

Wir werden nun "step by step" hier mit weiteren interessanten Beiträgen fortfahren:

Thema 1: Das Innenleben einer Schnecke

Thema 2: Das Gehäuse

Thema 3: die Windungsrichtung



Ich möchte mich bei Wolfgang ganz herzlich bedanken, ohne ihn wäre das nie möglich gewesen. Die Zusammenarbeit mit ihm hat sehr viel Spass gemacht und ist noch nicht zu Ende. :wink: Wenn ihr noch irgendwelche Vorschläge betreffend: Ergänzungen/Änderungen, oder auch Ideen für andere Themen habt, dann meldet euch im Diskussionsthread, bitte nicht in diesen hier reinschreiben.
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Thema 1: Das Innenleben einer Schnecke


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Atmungssystem -- Fortpflanzungssystem -- Harnapparat -- Herz/Gefäße), --- Nervensystem --- Verdauungssystem (mit Mitteldarmdrüse)

1 Mundöffnung (dahinter: Kiefer und Radula), 2 Fühler, 3 Augenträger, 4 Ausscheidungsöffnung (der Niere), 5 Darmausgang, 6 Atemloch, 7 Lunge, 8 Niere, 9 Herzbeutel, 10 Herz (lungennaher Vorhof und anschließende Herzkammer), 11 Schlagadern, 12 Ei-Samen-Leiter, 13 „Mitteldarmdrüse“, 14 Zwitterdrüse mit Zwittergang zum Ei-Samen-Leiter, 15 Darm, 16 „Geißel“ (= Flagellum), 17 Begattungstasche (= Bursa copulatrix), 18 männlicher Ausführungsgang (meist als Penis bezeichnet), 19 „Kropf“ (verschiedentlich als „Magen“ bezeichnet), 20 Scheide, 21 Geschlechtsöffnung (rechtsseitig!), 22 Gruppe von „Nervenzentren“ („Gehirn“)


Livi hatte ja bereits in einem früheren Beitrag den Körperbau der Schnecken beschrieben, so dass hier nur noch kleine Anmerkungen gemacht werden sollen.

Wie Ihr alle wisst, gliedert sich der Körper einer Schnecke in den Kopf, den Fuß und den „Eingeweide-Sack“, der meist gänzlich vom Gehäuse geschützt wird. Bei vielen Schneckenarten ist das Gehäuse allerdings stark zurückgebildet oder fehlt ganz („Nacktschnecken“). Der vordere Bereich des Eingeweide-Sackes bildet die „Mantelfalte“ mit dem Mantelrand, wo das Gehäuse weiterwachsen kann.

Die obige Abbildung zeigt den Umriss und die inneren Organe einer Landlungenschnecke in Form eines extrem vereinfachten Schemas. Dabei wurden aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht sämtliche Organe eingezeichnet (vor allem beim Fortpflanzungssystem wurde auf mehrere Organe verzichtet). Außerdem entsprechen Lage und Größe der Organe nicht in allen Fällen exakt der realen Situation – so liegen einige Organe wesentlich dichter beieinander, als es hier den Anschein hat (beispielsweise liegen Teile des Fortpflanzungssystems dicht neben der Lunge, so dass man beim Blick durch die Atemöffnung ggf. die Eier erkennen kann).

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Liebe Grüsse aus der Bild

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 Betreff des Beitrags: Re: Anatomie der Achatschnecke
BeitragVerfasst: 18. Okt 2010, 16:25 
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Schneckenkönig
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Thema: Erläuterungen zur Abbildung

Juhu, allerseits!

Da eröffnet uns Roberta ja völlig neue Welten.........., :) und alles in Farbe. Und, ich gestehe, ohne Roberta hätte ich mich nie dazu aufgerafft, mal an so ein Opus dranzugehen (auch, weil man selber ja nie so richtig zufrieden ist). Aber Roberta bringt ihre ganze Kompetenz in´s Spiel, kann halt „motivieren“ und holt das Letzte aus einem heraus........ . Sie könnte problemlos alle Nationalmannschaften der Schweiz zum Weltmeister-Titel führen. Und gemeinsames „Organe-Verschieben“ macht ja auch Spaß.

Die nachfolgende Beschreibung (ein allererster Versuch) bezieht sich auf die Abbildung aus dem ersten Beitrag von Roberta und entspricht dem allgemeinen Bau von Land-Lungenschnecken, wobei jede Familie natürlich ihre Besonderheiten besitzt (daher sind es ja auch verschiedene Familien.........). So kann auch der spezielle Bau der Achatschnecken in einzelnen Details von der folgenden allgemeinen Beschreibung abweichen. Es wäre schön, wenn wir gemeinsam im Laufe der Zeit diese Besonderheiten berücksichtigen könnten.

Es gibt viele Dinge, die ein Schneckchen regelmäßig oder zumindest gelegentlich tun muss: es muss atmen, fressen, ausscheiden, Stoffe im Körper verteilen, auf Reize aus der Umwelt reagieren usw.. Für diese einzelnen Funktionen gibt es jeweils unterschiedliche „Organsysteme“. Jedes dieser Systeme besteht aus mehreren Organen, die gemeinsam bestimmte Aufgaben für den Gesamt-Organismus erfüllen.

Atmungssystem : Zum Leben ist unbedingt Energie notwendig. Diese Energie wird durch die Verbrennung von Nährstoffen „gewonnen“. Dabei wird Sauerstoff verbraucht und Kohlendioxid entsteht. Die Aufgabe des Atmungssystems ist also dementsprechend die Aufnahme von Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft und die Abgabe von Kohlendioxid. Zu diesem System gehört die Lunge (in der Abbildung Nr. 7) mit ihrem Atemloch (6).
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hier kann man die Lungengefässe durch das Gehäuse der Schnecke erkennen

Ein Blick auf die Lungengefässe durchs Atemloch, Bild von Lara....(ergänzt Febr. 2016)
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Fortpflanzungssystem: Lungenschnecken sind Zwitter, d.h. sie besitzen eine Zwitterdrüse (14), die also sowohl Ei- als auch Samenzellen produzieren kann (meist zu unterschiedlichen Zeiten). Über den Zwittergang werden diese Zellen in den Ei-Samen-Leiter (12) transportiert. Die Samenzellen gelangen dann über einen Verbindungsgang in einen langgestreckten hohlen Kanal, der aufgrund seines Verlaufes als „Geißel“ (= Flagellum / 16) bezeichnet wird. Nach vorne hin setzt sich die Geißel schließlich in den männlichen Ausführungsgang (18) fort, der auch als Penis bezeichnet wird. In diesem langen Kanalssystem bildet sich nun ein „Transportbehälter“ für die Samenzellen, die sogenannte Spermatophore. Bei der Begattung stülpt sich der männliche Ausführungsgang („Penis“) aus und die Spermatophore wird über die Geschlechtsöffnung (21; i.a. auf der rechten Körperseite) in die Scheide (20) des Partners geschoben. Von dort erreicht die Spermatophore die „Begattungstasche“ (für die Römer unter Euch: die „Bursa copulatrix“ / 17). Dort werden die weitaus meisten Samenzellen zerstört und nur die widerstandsfähigsten und aktivsten Samenzellen können sich bis in den Ei-Samen-Leiter vorkämpfen und an dessen oberen Ende die Samentasche bzw. schließlich die Befruchtungstasche erreichen (nicht mehr in der Schemazeichnung berücksichtigt). Nun wandern die Eizellen über den Zwittergang in die Befruchtungstasche und können dort mit jeweils einer Samenzelle verschmelzen. Danach wird die befruchtete Eizelle mit einer dicken Schicht aus verschiedenen Nährstoffen versehen sowie meist auch mit einer Kalkschale. Anmerkung: bei einigen Familien wird während der Begattung ein „Liebespfeil“ in den Fuß des Partners geschoben; bei den Achatschnecken ist das nicht der Fall.

Ausführungsorgan bei Achatina fulica ca. 1,5 cm-------------------- Achatina spec. ca. 2cm (ehm. Riesenimmis)

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und bei Archachatina marginata ovum erstaunliche 4-5 cm.
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Eier im Eileiter (Blick durch das Atemloch) ................. nicht wie angenommen: unreife Eier im Eileiter, sondern ein drüsiger Teil der Prostata (Bild dasira)
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Harnapparat : die Landlungenschnecken besitzen (nur) eine Niere, die neben dem Herzbeutel liegt und die Schlackenstoffe (also den „Abfall“ des Stoffwechsels) aus dem Körper entfernt: im wesentlichen Harnsäure und Allantoin. Da landbewohnende Schnecken naheliegenderweise mit dem Wasser im Körper sparsam umgehen müssen, wird den Schlackenstoffen nur wenig Wasser beigegeben. Im Schema führt ein Harnleiter (hier nicht gesondert gekennzeichnet) von der Niere (8) zur Ausscheidungsöffnung (4).

*********************
Die übrigen Organsysteme folgen besser in einem getrennten Beitrag, sonst ufert das hier doch etwas aus.
Dem Text liegen bezüglich aller angesprochenen Themen zahllose Quellen (Bücher, Zeitschriften-Artikel und online-Quellen) zugrunde. Die meisten grundlegenden Tatsachen entsprechen auch gängigen Standard-Informationen, die nicht zitiert werden müssen. Besonders zu erwähnen ist allein (und zwar bei der Kurzfassung des Fortpflanzungssystems) die Internet-Seite von Robert Nordsieck ( http://www.weichtiere.at ).


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 Betreff des Beitrags: Re: Anatomie der Achatschnecke
BeitragVerfasst: 18. Okt 2010, 16:38 
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So, der Rest vom Fest:

Herz/Gefäße: selbst die kleinsten Schnecken brauchen schon für den Transport aller möglichen Stoffe im Körper eine Transport-Flüssigkeit, nämlich das Blut (na ja, streng genommen heißt das hier: „Hämolymphe“). Zum Teil fließt diese Flüssigkeit in Blutgefäßen, letztlich aber auch einfach zwischen den Zellen des Körpers. So werden die Zellen z.B. mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, und von Kohlendioxid und anderen Schlackenstoffen entsorgt. Damit diese Flüssigkeit aber auch tatsächlich schön fließt, braucht es eine „Pumpe“: das Herz. In unserem Schema gehört zu diesem System also zunächst das Herz (Nr. 10) mit seinem Herzbeutel (9). Aus der Lunge führen Blutgefäße sauerstoffreiches Blut zuerst in einen Vorhof. Dieser drückt das Blut dann in die eigentliche Herzkammer. Wenn sich letztere zusammenzieht, wird das Blut über Schlagadern (11) in den Körper gepumpt.

Nervensystem : Damit die Schnecke auf äußere Reize (z.B. Berührung oder Licht) reagieren kann, braucht die Schnecke noch ein Nervensystem mit Nerven und „Nervenzentren“ (= Ganglien). Um richtig reagieren zu können, muss das Nervensystem aber erst einmal wissen, was um die Schnecke herum überhaupt los ist, und dazu gibt es die Sinnesorgane, z.B. die Tastfühler (2), mit denen auch Schmecken möglich ist. Die Augen liegen bei den Land-Lungenschnecken an der Spitze der Augenträger (3). Mehrere „Nervenzentren“ sind dicht zusammengerückt und um die Speiseröhre herum angeordnet. Mit einem gewissen höflichen Entgegenkommen kann man diese Ansammlung von Nervenzentren als ein vergleichsweise schlichtes „Gehirn“ (22) bezeichnen. Das Nervensystem wurde hier nur ansatzweise dargestellt; tatsächlich laufen mehrere kleine Nerven zu den Nervenzentren hin oder gehen von den Nervenzentren aus (z.B. zu den Drüsen oder den Muskeln des Fußes). Nebenbei: einige molekulare Grund-Prinzipien des Lernens und der Gedächtnis-Bildung sind bei Schnecken entdeckt worden.

Verdauungssystem: zur Versorgung des Körpers mit lebensnotwendigen Stoffen (z.B. Nähr- und Mineralstoffen) dient das Verdauungssystem. Unmittelbar hinter der Mundöffnung (1) liegen der Kiefer und die „Reibzunge“ (= Radula), die mit winzigen Zähnchen besetzt ist (bei der Weinbergschnecke mit etwa 24000 Zähnen). Im weiteren Verlauf folgt ein „Kropf“ (19), bei einigen Land-Lungenschnecken noch etwas weiter hinten ein Magen, während andere Familien auf den Magen verzichten und einen großen Teil der Nahrungsaufspaltung dem „Kropf“ überlassen. Schließlich folgt ein langer, gewundener Darm (15) mit einer „Mitteldarmdrüse“ (13, braun), die, vereinfacht ausgedrückt, viele Aufgaben von Leber und Bauchspeicheldrüse der Säugetiere vereint. Schnecken können auch Zellulose verdauen; wir Menschen können das nicht, sonst könnten wir ja zwischendurch mal ein T-Shirt essen (Baumwolle ist ja Zellulose). Der Endabschnitt des Darmes mündet mit dem Darmausgang (5), meist unmittelbar neben dem Atemloch (für uns Menschen eine ziemlich eigenwillige Nachbarschaft..........)

die Radula (Bilder Tommy)
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Liebe Grüsse aus der Bild

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 Betreff des Beitrags: Re: Anatomie der Achatschnecke
BeitragVerfasst: 18. Okt 2010, 16:50 
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Schneckenkönig
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Hi, Ihr Lieben,
nun eine kleine Fortsetzung unseres Themas. :)

Thema 2: Das Gehäuse

Ein Häuschen im Grünen..........

Livi hat ja bereits zum Gehäuse der Schnecken einen schönen Beitrag verfasst. In diesem Sinne bitten wir die folgenden Zeilen nur als eine kleine Anmerkung zu verstehen. Für viele von Euch ist das alles auch schon längst selbstverständlich.

Grobes Schema vom Gehäuse einer Achatina fulica:
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1 Gehäuse-Spitze (= Apex), 2 Windung = Umgang, 3 Naht, 4 letzte Windung = Endwindung, 5 Mündung, 6 Spindel (= Columella), 7 Mundsaum

Anmerkung: die weißen Bereiche in der Schema-Zeichnung entsprechen nicht dem Verlauf der Spindel (die ja senkrecht nach oben zieht), sondern den Bereichen, in denen der Mantelrand der Gehäuse-Oberfläche eine weitere dünne Schicht von Schalenmaterial aufgelagert hat.

Viele Schnecken besitzen ein Häuschen (das „Gehäuse“), das im typischen Fall spiralig gewunden ist. Es schützt das Tier in gewissen Grenzen vor Austrocknung und Verletzungen und sichert die Position innerer Organe. Die Nacktschnecken beweisen aber, dass es grundsätzlich auch anders geht......... . Nebenbei: der Ausdruck „Schale“ wird heute überwiegend für das Gehäuse-Material verwendet.

Die frühesten (also: ältesten) Windungen bilden die Gehäusespitze (den „Apex“, in der obigen Zeichnung die Nummer 1). Dann folgen die später gebildeten Windungen (2), die typischerweise an Umfang zunehmen, und schließlich die letzte Windung (= End-Windung, 4), die mit der Mündung (5) und ihrem Mundsaum (= Mündungs-Rand, 7) ausläuft. Nur hier kann die Schale weiterwachsen; von diesem Wachstumsrand entfernte, unfallbedingte Gehäuse-Schäden können aber gegebenenfalls auch von allen Bereichen des Eingeweide-Mantels notdürftig repariert werden (allerdings bei weitem nicht so gut, wie es am Wachstumsrand oft möglich ist). Wie gut eine Reparatur am Mündungsrand erfolgt, hängt davon ab, wie groß der Gewebeschaden am Mantelrand war. Bei größeren Gewebeschäden mit anschließenden stärkeren Vernarbungen kann bis zum Lebensende ein zunehmend länger werdender Streifen mit gestörter Schalenbildung im Längsverlauf der Windungen erkennbar bleiben.

Beispiel Gehäuse-Schaden:

die angerissenen Teile wurden entfernt.................. einen Tag später....................................................10 Tage später
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Auch einen abgebrochenen Apex, kann die Schnecke reparieren. Um eine Austrochnung des Körpers zu verhindern und damit kein Schmutz reinkommt, sollte das Loch (Je nachdem wie gross es ist) abgeklebt werden.
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Die Grenze zwischen benachbarten Windungen wird als „Naht“ (3) bezeichnet. Die Windungen können bei verschiedenen Arten unterschiedlich stark gewölbt (also mehr oder weniger „bauchig“) sein und die Naht unterschiedlich tief (flach bis „eingekerbt“).

Im Inneren des Gehäuses verläuft - sozusagen als zentrale Achse, um die sich die Windungen drehen – die sogenannte „Spindel“ (= Columella), deren unterster Teil im Mündungsbereich zu sehen ist (6). Beim lebenden Tier ist dieses untere Ende der Spindel meist von einem Teil des Mantels bedeckt. Bei den Achatschnecken ist die Färbung der Columella wichtig für die Art- bzw. Unterart-Bestimmung.

Achatina fulica................. Achatina immaculata........ Achatina achatina....... Archachatina marginata ovum
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Tja, dann tschüß erst mal, liebe Grüße: wolf


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 Betreff des Beitrags: Re: Anatomie der Achatschnecke
BeitragVerfasst: 18. Okt 2010, 16:54 
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kleiner Nachtrag zum Häuschen..........

Im Inneren des Gehäuses entspringt an der Spindel ein Muskel, mit dessen Hilfe sich das Tier wieder in das Haus zurückziehen kann. Das Hervortreten von Kopf und Fuß erfolgt dagegen überwiegend durch verstärktes Einleiten von „Blut“ (Hämolymphe) in diese Bereiche. Dann sind sie mal wieder „ganz aus dem Häuschen“. Na, ja, zum Glück nicht wirklich „ganz“.......... :D
Die Spindel kann ohne scharfe Grenze fließend in den unteren Mündungsrand übergehen, manchmal ist die Spindel unten aber auch recht scharf begrenzt („abgestutzt“, z.B. bei Achatina fulica, vgl. obere Abbildung: die Columella endet unten stumpf).

Im unteren Bereich der Spindel liegt auch der „Nabel“ (der natürlich nichts mit unserem „Bauchnabel“ zu tun hat). Ein offener Nabel stellt eine Verbindung zum inneren Hohlraum der Spindel dar. Je nach Ausprägung spricht man von einem offenen, geschlossenen, engen, schlitzartigen, weiten, teilweise bedeckten Nabel usw.. Bei den Achatina und Archachatina ist der Nabel generell geschlossen, bei der Weinbergschnecke Helix pomatia normalerweise sehr eng-spaltförmig. Besonders bei Arten mit flachem Gehäuse kann der Nabel verschiedentlich auch sehr weit sein (z.B. bei der in der Schweiz, Österreich und Deutschland vorkommenden „Riemenschnecke“ Helicodonta obvoluta oder dem „Steinpicker“ Helicigona lapicida).

Blick auf die Unterseite der „Riemenschnecke“ Helicodonta obvoluta (O.F. MÜLLER, 1774): weiter, tiefer Nabel, der den Blick fast bis zum Apex ermöglicht.

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Zur Bestimmung der Gehäusehöhe vergleiche mit der Schema-Zeichnung (die Gehäusehöhe ist somit eine senkrechte, gerade Linie; die Krümmung des Gehäuses wird also nicht mitgemessen). Die Breite des Gehäuses entspricht der maximalen Rechts-Links-Ausdehnung im rechten Winkel zur Gehäuse-Höhe. Manchmal ist auch das Verhältnis der Mündungs-Höhe zur Gehäuse-Höhe wichtig (bei ausgewachsenen Tieren, im Laufe des Lebens verschieben sich ja noch die Proportionen).


Literatur (u.a.):
FECHTER, R. & G. FALKNER: Weichtiere - Europäische Meeres- und Binnenmollusken -- Reihe Steinbachs Naturführer, Mosaik-Verlag München, 1990
JAECKEL, S.H.: Praktikum der Weichtierkunde -- VEB G. Fischer Verlag, Jena, 1953
KERNEY, M.P., CAMERON, R.A.D. & J.H. JUNGBLUTH: Die Landschnecken Nord- und Mitteleuropas -- Verlag Paul Parey Hamburg und Berlin, 1983

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Liebe Grüsse aus der Bild

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 Betreff des Beitrags: Re: Anatomie der Achatschnecke
BeitragVerfasst: 18. Okt 2010, 16:57 
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Thema 3: die Windungsrichtung

kleiner Nachtrag zum Häuschen.......... Wie ´rum denn nun? -- Der Windungs-Sinn.

Auch zu diesem Thema hat Livi bereits die entscheidenden Dinge gesagt. Hier also nur ein paar kleine Ergänzungen.
Bei den weitaus meisten Schnecken-Arten ist der Eingeweide-Sack (und damit auch das Gehäuse) offensichtlich spiralig gewunden, wobei der „Drehsinn“ unterschiedlich sein kann: das Häuschen kann rechtsgewunden (= dextral) oder linksgewunden (= sinistral) sein. Der Windungssinn ist problemlos zu erkennen, wenn man das Gehäuse senkrecht vor sich hält, mit dem Apex nach oben und dem Blick in die Mündung hinein (entsprechend der folgenden Abbildung). Befindet sich die Mündung nun rechts von der gedachten Mittel-Linie des Häuschens (die etwa dem Spindelverlauf im Inneren des Gehäuses entspricht), dann nennt man das Tier rechtsgewunden. Wenn sich die Mündung links von der Spindel (= Columella) befindet, dann ist das Häuschen linksgewunden. Dazu schnell mal ein Beispiel:

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Amphidromus perversus (LINNAEUS, 1758) von Indonesien, Bali. Spiegelbildliche Gehäuse: links befindet sich ein rechtsgewundenes Exemplar, rechts ein linksgewundenes (derselben Art!). Kein Trick mittels Bildbearbeitungs-Programm............ .

Zwischendurch mal ein kleines Spielchen: ist das nachfolgende Häuschen links- oder rechtsgewunden? Lechts oder Rinks, das ist hier die Frage....... .

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Dyakia cf. salangana (V. MARTENS, 1883) von Süd-Thailand, Provinz Krabi, Tham Wat Sai Thai

Die meisten Schnecken haben ein rechtsgewundenes Gehäuse, es gibt aber auch ganze Familien, für die ein linker Windungssinn typisch ist (z.B. bei den weit verbreiteten, auch in Mitteleuropa vorkommenden „Schließmundschnecken“; wir finden sie also auch vor unserer Haustür).

Ihr erinnert Euch an die erste Abbildung: interessanterweise gibt es auch Arten, bei denen regelmäßig (!) ein Anteil aller Exemplare rechts-, der andere Teil linksgewunden ist (Beispiel: Amphidromus perversus, siehe oben).

Bei Arten, die grundsätzlich rechtsgewunden sind, können trotzdem auch mal – hier aber als sehr seltene Ausnahme – linksgewundene Exemplare auftreten (z.B. die sogenannten „Schneckenkönige“ bei der Weinbergschnecke Helix pomatia). Auch bei den Achatschnecken wurden bereits – sehr selten – untypische, also linksgewundene Exemplare gefunden (siehe auch Beitrag von Livi zur Windungsrichtung); dahinter steckt eine Erbveränderung (= Mutation). Bei den bislang daraufhin untersuchten Arten zeigte sich dabei ein sehr eigenartiger Erbgang: der Windungssinn eines Tieres wird nicht wie üblich von den eigenen Erbanlagen bestimmt, sondern von denen des Muttertieres: „matrokline / maternale Vererbung“.

Die Links- bzw. Rechtsdrehung eines Tierchens wird naheliegenderweise bereits bei den ersten Zell-Teilungen der befruchteten Eizelle realisiert, längst bevor ein Gehäuse gebildet wird.

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 Betreff des Beitrags: Re: Anatomie der Achatschnecke
BeitragVerfasst: 11. Mai 2012, 18:38 
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Schneckenkönig
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Hi,
aus aktuell gegebenem Anlass schnell mal eine kleine Ergänzung zu unserer Häuschen-Beschreibung. Wenn man Artbeschreibungen liest, dann begegnen einem regelmäßig ein paar komische Begriffe, die im folgenden mal fix erläutert werden:
Nr. 4 ist die letzte Windung (= "body whorl")
Nr. 5 ist die Mündung (= „aperture“)
Nr. 6 ist die Spindel (= Columella) bzw. die Spindelseite der Mündung
Nr. 7 ist der „Mundsaum“ oder Außenrand (= "outer lip"), also der Mündungsrand von der Naht des letzten Umganges bis zur Basis (den untersten Bereich der Mündung); dieser Außenrand wird manchmal auch als „Gaumenwand“ oder Palatalregion bezeichnet (= „palatal wall“)
Nr. 8 ist die sogenannte Parietalregion (= "parietal wall") oder „Mündungswand“
Nr. 9 ist die "Peripherie" (= "periphery") der Windung, also praktisch die Mitte der Krümmung (wo die Wand am weitesten von der inneren Spindel entfernt ist)
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Danke für die Anregung aus Eurem Kreise........ ;). Grüßli: wolf


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 Betreff des Beitrags: Re: Anatomie der Achatschnecke
BeitragVerfasst: 14. Nov 2013, 15:14 
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Hallo ihr Lieben,
nach genauem Auseinandernehmen des Genitaltrakts einer fulica, mussten wir gestern feststellen, dass dieses hier:
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Nicht das Ovidukt ist, sondern ein drüsiger Teil der Prostata. ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Anatomie der Achatschnecke
BeitragVerfasst: 20. Nov 2013, 12:34 
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vielen Dank Stephie.... :)

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 Betreff des Beitrags: Re: Anatomie der Achatschnecke
BeitragVerfasst: 20. Nov 2013, 13:07 
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Das innere einer A. fulica. Erstmal ohne Beschriftung, bis ich Zeit habe alles richtig zu identifizieren.


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