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 Betreff des Beitrags: Kalk: was sich eignet und woran man die Qualität erkennt
BeitragVerfasst: 1. Dez 2013, 18:45 
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Schneckenei

Registriert: 5. Mär 2013, 18:14
Beiträge: 7
Es scheint eine Glaubensfrage geworden zu sein, ob man den Boden in den Schnecken-Terrarien aufkalken soll, oder nicht.
Fakt ist aber, dass Schnecken Kalk für den Hausbau brauchen –genauso wie wir Menschen für Knochen und Zähne. In der Natur suchen sich die Tiere selbst, was sie brauchen –oder sie gehen ein. Bei der Terrarien-Haltung muss der Besitzer für ideale Voraussetzungen sorgen.

Deshalb gehöre ich zu den Haltern, die den Tieren Kalk anbieten. In der Regel auf 2 Arten: ich mische Kalk unter das Substrat und biete den Tieren zusätzlich Sepia-Schalen an.

Weil sich meine Schnecken seit Jahren gut entwickeln, gehe ich davon aus, dass ich zumindest damit nicht ganz falsch liege.

Kalk kann nicht schlecht werden und hat auch kein Haltbarkeitsdatum. Auch wenn er klumpig wird, ist das kein Problem.

Menge:
Ich habe das Ganze noch nie abgemessen, oder gewogen, schätze aber mal, dass es 1-2 Handvoll auf 10 Liter Substrat sind.

Qualität:
Kalk ist ein Naturprodukt und kommt in manchen Gegenden in riesigen Mengen vor. In der Regel wird dieses gemahlen und z.B. im Gartencenter als „Rasenkalk“ verkauft. Es spielt keine Rolle, ob das Produkt ganz fein, oder etwas grobkörnig ist.

In der Regel steht auf diesen Säcken die Zusammensetzung. In den meisten Fällen enthalten die Produkte zwischen 85 und 95% CaCO3 (Calciumcarbonat).

Bei manchen Produkten wird auch der reine Calcium-Anteil angegeben. Dabei muss man wissen, dass 100g CaCO3 einem Gehalt von 40g Ca (Ca = Calcium) entsprechen.

Was auch oft verwirrend klingen kann: manchmal gibt es Angaben wie „unlösliche“ Anteile oder „Salzsäure unlöslich“. Dies bedeutet NICHT, dass da Salzsäure drin ist! Das hat mit dem Analyseverfahren zu tun: Der Kalk wird im Labor in Salzsäure aufgelöst –in dieser Lösung misst man dann den Calcium-Anteil. Weil es ein Naturprodukt ist, gibt es immer einen kleinen Anteil, der sich nicht auflöst (z.B. Silikate = Quarz, Lehm, etc.): die sind ungiftig, aber eben auch unlöslich in Salzsäure.

Im Prinzip kann man auch einen Kalkstein aus der Natur oder aus dem Gartencenter pulverisieren. Aber dazu braucht man entweder eine Steinmühle oder man zerkleinert die Stücke mit einem Hammer und pulverisiert sie dann in einem Mörser, der allerdings aus einem Material sein muss, das härter ist, als der Kalkstein.

In der Apotheke kann man Produkte mit einem Reinheitsgrad von bis zu 100% Calciumcarbonat (= CaCO3) kaufen. Dies ist teuer und meiner Meinung nach unnötig. Aber wer’s mag: es spricht nichts dagegen. Der Grund für den hohen Preis der Apotheken-Produkte ist, dass jede Charge gereinigt und geprüft werden muss.

Kalk kriegt man auch in der Tierhandlung – in verschiedenen Abteilungen:
z.B. in der Terrarien-Abteilung –oft auch als ganz feines Pulver. Manche Produkte sind auch mit Vitaminen und anderen Mineralien angereichert. Diese ganz feinen Pulver kann man auch mal über das Futter streuen –aber nur gelegentlich und in kleinen Mengen, denn Kalk kann auch überdosiert werden!

Ausserdem findet man Kalk- und Kalkprodukte auch in der Vogel- und manchmal auch in der Nager-Abteilung. Die meisten Produkte kann man auch für Schnecken verwenden. Sie sind aber um einiges teurer, als der Garten- oder Rasenkalk aus dem Baumarkt oder dem Gartencenter.

In der Nager-Abteilung gibt es auch Kalk mit getrockneten grünen und orangen Gemüse-Kügelchen. Diese eigenen sich nicht für die Schnecken-Haltung. Grund: diese Kügelchen beginnen sehr schnell zu schimmeln. Dann muss man den ganzen Block wegwerfen.

Sepia
Sepia ist der Rückenschulp (=Skelett) vom Tintenfisch und bleibt als „Abfall“ zurück, wenn das Tier auf dem Teller landen soll (Calamares-Ringe, etc.).

Zur Zeit gibt es Diskussionen darüber, ob Sepia zu viel Salz enthalten könnte und den Schnecken dadurch schadet. Auslöser dafür dürfte die Tatsache sein, dass die Tiere im Meer leben, das einen durchschnittlichen Salz-Anteil von rund 3.5% hat.

Aber: genau so, wie unsere Knochen nicht mit der Luft in Kontakt kommen (oder mit Wasser, wenn wir ein Bad nehmen), kommt ein Sepia-Schulp nicht in Kontakt mit Meerwasser –zumindest nicht, so lange das Tier noch lebt. In der Fisch-Fabrik werden die Tiere nach dem Tod mit Wasser gesäubert. Sepiaschalen aus Fabriken enthalten deshalb kaum Salz.

Ganz anders verhält es sich bei den Schalen, die man beim Spaziergang am Strand findet. Der Schulp ist porös und kann sich deshalb sehr wohl mit Meerwasser vollsaugen. Wenn die Sonne drauf scheint und er immer mal wieder austrocknet und nass wird, dürfte sich das Salz in den Poren anreichern. Deshalb ist es wichtig, dass man Sepiaschalen vom Strand ausgiebig wässert, bevor man sie ins Terrarium legt (am besten mehrere Tage lang).

Eierschalen
Auch Eierschalen sind ein natürlicher Kalk-Lieferant. Am besten ist es, sie in einem Mörser zu zerstossen. Alternativ kann man sie auch in einen Gefrierbeutel füllen und mit einem Hammer oder einem Wallholz zerdrücken. Wichtig ist aber, dass man die Schalen vor der Verwendung abkocht, um allfällig vorhandene Keime abzutöten (z.B. Salmonellen).


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 Betreff des Beitrags: Re: Kalk: was sich eignet und woran man die Qualität erkennt
BeitragVerfasst: 1. Dez 2013, 19:36 
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Schneckenkönig

Registriert: 16. Dez 2011, 22:34
Beiträge: 463
Ein schöner Beitrag, vielen Dank!

Mir fällt noch ein, dass manchmal auch gerne alte Schneckenhäuser gefuttert werden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kalk: was sich eignet und woran man die Qualität erkennt
BeitragVerfasst: 1. Dez 2013, 20:14 
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Administrator
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Registriert: 16. Okt 2010, 22:19
Beiträge: 3388
Wohnort: Schweiz: Luzern
Vielen Dank Margot für den ausführlichen und tollen Beitrag zum Thema Kalk....

Auch ich kalke meine Erde immer auf...Kalkbrei verfüttere ich jedoch sehr selten...ich stelle jedoch hin und wieder in einer Ecke des Terrarium eine Schale mit Kalk hin. hier können sich die Schnecken nach Belieben selbst bedienen...Ich streue jedoch keinen Kalk über das Futter, denn so müssen sie Schnecken den Kalk fressen, ob sie es wollen oder nicht...

Ich bin der Meinung, dass eine ausgewogene Ernährung, das bedeutet nicht nur in Form von Gemüse/Früchte, welche wir ihnen anbieten, sondern auch Wildkräuter und Pflanzen von draussen, den Schnecken zu einem guten Wachstum verhelfen..

Wer Lust hat, kann diesen Beitrag noch mit Fotos ergänzen....


Kalk /Schweiz:
ich kaufe meinen Kalk in der Landi.......

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die Verunreinigungen stammen von mir (Moos) ;)
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_________________
Liebe Grüsse aus der Bild

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 Betreff des Beitrags: Re: Kalk: was sich eignet und woran man die Qualität erkennt
BeitragVerfasst: 2. Dez 2013, 10:25 
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Registriert: 14. Jan 2013, 15:04
Beiträge: 170
Wohnort: Düsseldorf
Mh, jetzt kann ichs ja sagen: Was mich schon seit einiger Zeit beschäftigt, ist die Frage, woher Schnecken ihren Kalk zu Bau des Gehäuses beziehen. Dazu gibt es verschiedene Arbeiten, die einen sehen das Wasser als Quelle, die anderen den Boden oder das Futter. Aber es ist wohl so, dass Schnecken keinen Kalk über den Fuß aufnehmen können! Sie können lediglich Ca2+ * aufnehmen, also Calcium in Form von Ionen. Das ist auch irgendwie lögisch, denn Calciumcarbonat ist ein riesiges Molekül welches bestimmt nicht durch Membranen diffundieren kann. Selbst Ionen wie Ca2+ * brauchen dafür ja schon Carrier. Calcium wird in der Hämolymphe als Ion transportiert, also als Ca2+ *. Gefressenes CaCO3, wird also in jedem Falle auseinander genommen. Was mich nun zu der Frage bringt, ob es nicht vollkommen ausreicht eine Schnecke calciumreich zu ernähren, denn Calcium ist ja nicht nur im Kalk vorhanden und letztendlich brauchen sie nicht das CaCO3 an sich, sondern lediglich dessen Bestandteile.
Interessant ist auch, dass Schnecken zwei Polymorphen des Kalks verwenden. Die Eierschale von Schnecken besteht aus Calcit oder aus Calcit mit Spuren von Aragonit, während das Gehäuse ausschließlich aus Aragonit besteht. Das heißt, wenn Schnecken ihre Eierschale konsumieren oder absorbieren, wandeln sie das CaCO3 um von einem Polymorph in ein anderes.
Außerdem konnte festgestellt werden, dass das Albumen (Eiweiß) während der Entwicklung im Ei immer saurer wird, während die Calciumkonzentration ansteigt. Man vermutet, dass der Embryo saure Metabolite freisetzt, um das Calcit leichter absorbieren zu können und um damit das Protoconch bilden zu können. Vielleicht besteht ja auch ein Zusammenhang, zwischen diesem Vorgang und der Farbe des Protoconch, welches noch im Ei gebildet.

*das 2+ müsste eigentlich hochgestellt sein

Sorry fürs OT. :D


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 Betreff des Beitrags: Re: Kalk: was sich eignet und woran man die Qualität erkennt
BeitragVerfasst: 22. Dez 2013, 03:57 
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Schneckenei

Registriert: 5. Mär 2013, 18:14
Beiträge: 7
Ich nehme auch an, dass Schnecken den Kalk nicht über den Fuss aufnehmen können –zumindest nicht als CaCo3-Molekül, denn wenn das so einfach wäre, gäbe es eine ganze Menge andere (schädliche?) Substanzen, die sie sich auf diese Weise einverleiben würden.

Calciumreiche Ernährung ist sicher nicht falsch, aber welche Lebensmittel haben genügend Kalk für eine Schnecke? Milchprodukte fallen ja schon mal weg….

Das Wasser spielt sicher auch eine Rolle. Aber diese kann nicht wirklich gross sein, denn zum einen sind die Härtegrade je nach Gegend extrem unterschiedlich und Schnecken kommen ja auch in Gegenden mit weichem Wasser vor.

Ich wohne in einer Gegend mit hartem Wasser (18 – 35°fH). Das entspricht einer Menge von rund 180 – 350 mg CaCO3 pro Liter (72 – 140 mg Ca / l). Selbst hier müssten die Schnecken eine Menge Wasser trinken, um ihren Kalkbedarf zu decken.

Fazit: es braucht eine zusätzliche Kalk-Quelle.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kalk: was sich eignet und woran man die Qualität erkennt
BeitragVerfasst: 22. Dez 2013, 10:04 
Bist du dir sicher, dass eine zusätzliche Kalkquelle nötig ist? Ich frage mich gerade, ob schon einmal jemand seine Schnecken ohne Futterkalk aufgezogen hat und wie diese sich dabei entwickelt haben. Ohne Kalkzufütterung wachsen sie langsamer, das kennt wohl jeder, der in Aufzuchtbecken mit dem Austausch leer gefutterter Sepiaschulpe etwas getrödelt hat. Aber wachsen sie auch schlechter? Ein langsames Wachstum muss ja nicht automatisch auch ein schlechtes Wachstum sein.

Auf das Aufkalken von Humusböden würde ich allerdings nicht verzichten, das Periostrakum wird bei ungekalktem Boden schnell stumpf und verliert sich.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kalk: was sich eignet und woran man die Qualität erkennt
BeitragVerfasst: 22. Dez 2013, 13:44 
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Schneckenei

Registriert: 5. Mär 2013, 18:14
Beiträge: 7
Ich kann dir erzählen, wie ich auf die Schnecken aufmerksam geworden bin: ich hatte ein Meerwasser-Aquarium und habe über eine Drogerie, wo ich den Chef kenne, immer mal wieder Spurenelemente /Salze bestellt.

Irgendwann mal rief mich der Drogist an: ich würde mich doch mit Kalk auskennen. Er hätte Achatschnecken –eigentlich als Schildkrötenfutter gedacht. Einige wurden dann aber zu gross und haben ihm dann Leid getan. Also hat er sie behalten und ihnen eine schöne Bleibe gebaut.

Es gab aber ein Problem: die Häuser waren extrem dünn und brüchig. Im Laufe des Gesprächs habe ich ihm dann erzählt, dass ich auch Vögel habe und dass die Sepia kriegen.

So nahm das alles seinen Lauf: er zeigte mir seine Tiere, ich kriegte ein paar junge Fulicas und ich habe von seiner Seite her nie wieder gehört, dass seine Schnecken ein brüchiges Haus haben.

Deshalb denke ich, dass zusätzliche Kalk-Angebote wichtig sind –unter der Bedingung, dass die Schnecken selbst entscheiden können, wann und wieviel sie davon fressen.

Das ist auch ein Grund dafür, dass ich z.B. keinen Kalkbrei füttere: das ist, wie wenn man bei uns oder unseren Kindern Vitamine, etc. ins Lieblingsessen mischt: das kann leicht zu einer Überdosierung führen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kalk: was sich eignet und woran man die Qualität erkennt
BeitragVerfasst: 22. Dez 2013, 14:03 
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Registriert: 14. Jan 2013, 15:04
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Ich hab lange so gedacht wie du. Doch dann wurde ich eines besseren belehrt. An unserer Uni wurden A. fulica fürs Praktikum gezüchtet. Es waren mindestens 500 Stück. Sie lebten auf leicht gekalktem Boden, wurden zwar relativ abwechlungsreich ernährt, aber sie bekamen keine zusätzliche Kalkquelle. Sie wuchsen zwar langsam, aber stetig. Das ist das Ergebnis:


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 Betreff des Beitrags: Re: Kalk: was sich eignet und woran man die Qualität erkennt
BeitragVerfasst: 22. Dez 2013, 14:16 
Man erkennt, dass sie öfter pausiert haben, aber sie sehen sehr hübsch aus. Also hat ihnen das Weglassen des Futterkalkes nicht geschadet?
Oder stimmt etwas mit ihnen nicht, das man auf dem Bild nicht erkennen kann?


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 Betreff des Beitrags: Re: Kalk: was sich eignet und woran man die Qualität erkennt
BeitragVerfasst: 22. Dez 2013, 19:10 
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Registriert: 14. Jan 2013, 15:04
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Eigentlich haben sie gar nicht pausiert. Das ist ja das faszinierende. So gut wie alle hatten auch einen wunderschönen Wachstumsrand. Und das ganze ohne Kalk in irgendeiner Form zu fressen.


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