(Achat-) Schnecken vom Wienerwald

Das Forum für Schneckenhalter und Züchter aller Arten
Guest Announcements

Hallo lieber Gast

Schön, das Du unsere Seite besuchst. Möchtest Du an unserem Forenleben teilnehmen und dich hier einbringen? Als registrierter Benutzer genießt du zahlreiche Vorteile: Du kannst Beiträge schreiben, Fragen stellen, Nachrichten an andere Mitglieder schicken, Angebote einsehen, etc....durch eine Registrierung werden auch weitere Forenbereiche einsehbar.

Bild

Also, zögere nicht lange und registriere dich....wir freuen uns dich kennenzulernen.


Aktuelle Zeit: 13. Nov 2018, 20:13

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Vom Bohren dicker Bretter........ (Nabelschnecken)
BeitragVerfasst: 17. Okt 2010, 14:17 
Offline
Schneckenkönig
Benutzeravatar

Registriert: 17. Okt 2010, 12:06
Beiträge: 611
Juhu!

Dann stelle ich schnell mal zwischendurch ein paar „Räuber“ vor. In der Nordsee gibt es mehrere Arten, die ihre Opfer mit ihrer zähnchenbesetzten „Reibzunge“ (= Radula) anbohren und anschließend mit ihrem langen Rüssel verspeisen. Aus der Familie der „Mondschnecken“ = „Nabelschnecken“ (= Naticidae) krabbeln dort regelmäßig die kleinere Lunatia pulchella herum (= Euspira alderi = Lunatia poliana usw., es ist ein Elend mit diesen Synonymen......) und die größere Lunatia catena.

Beide Arten bohren genüsslich Löcher in die Schale von Muscheln, aber auch von Schnecken, und manchmal überfallen sie sogar Artgenossen. Dabei haben sie eine enorme Geduld; die müssen sie auch haben, denn das Bohren zieht sich über mehrere bis viele Stunden hin. Aber ist ja für´n guten Zweck, denn es lockt der Lohn einer (ebenfalls stundenlangen) Mahlzeit.......... . Die Löcher sind stets präzise kreisrund, die Ränder leicht trichterförmig geneigt und somit unverkennbar.

Lunatia catena (da Costa, 1778). Exemplar (wie alle folgenden, sofern nicht anders angegeben) aus den Niederlanden, Katweijk. Gehäuse-Höhe 28,9 mm. Alle Gehäuse nach Eintritt des Todes durch Eisensulfid des Schlickes schwärzlich gefärbt.
Bild

Dünen an der Küste von Katwijk, ND:
Bild

Links: Schale von Lunatia, vollständig durchbohrt; rechts: stärkere Vergrößerung. Außen-Durchmesser des Loches 4,1 mm.
Bild Bild

Tja, und dieses Kerlchen (Lunatia) hat den Angriff offenbar überlebt, denn seine Schale ist nur leicht angebohrt. Schon sonderbar, sich vorzustellen, wie sich da 12 Stunden lang zwei Nabelschnecken gegenübersitzen und sich gegenseitig in aller Seelenruhe anbohren – mit der nicht ganz unwesentlichen Frage: naaaa, wer bohrt schneller?
Bild

Auch die sehr dickwandige „Nordische Purpurschnecke“ (= Nucella lapillus = Thais lapillus = Purpura lapillus) aus der Familie der Muricidae (laut jüngeren Quellen: Thaididae) bohrt andere schalentragende Tiere an, überwiegend Seepocken und Muscheln. Sie ist in Deutschland geschützt (Vorkommen nur noch bei Helgoland). Unter frisch geschlüpften Tieren kommt Kannibalismus vor.

Nucella lapillus (Linnaeus, 1758). Exemplar von Belgien, Heist aan Zee. Gehäuse-Höhe 21,9 mm.
BildBild

Tja, wer den Frieden in der Natur sucht, der darf nicht zu genau hinschauen. That´s life.......... .

Daher um so "liebere" Grüße :): wolf

LITERATUR u.a.:
LINDNER, G.: Muscheln und Schnecken an europäischen Urlaubsstränden -- BLV Verlagsgesell-schaft München / Wien / Zürich, 2000
POPPE, G.T. & Y. GOTO: European Seashells, Vol. I -- Verlag Christa Hemmen, Wiesbaden 1991
WILLMANN, R.: Muscheln und Schnecken der Nord- und Ostsee -- Verlag J. Neumann-Neudamm Melsungen, 1989
ZIEGELMEIER, E.: Die Schnecken (Gastropoda Prosobranchia) der deutschen Meeresgebiete und brackigen Küstengewässer -- Sonderabdruck aus Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen 13, 1-61 (1966), Biologische Anstalt Helgoland, Veränderter Nachdruck 1969


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Wellhornschnecke
BeitragVerfasst: 17. Okt 2010, 14:25 
Offline
Schneckenkönig
Benutzeravatar

Registriert: 17. Okt 2010, 12:06
Beiträge: 611
Als kleine Abrundung zum Schluss noch mal schnell ein Blick auf die „Wellhornschnecke“ Buccinum undatum (Familie Buccinidae). Sie ernährt sich von verstorbenen Tieren, greift aber auch regelmäßig lebende Muscheln an. Ihr Jagdverhalten ist aber anders als bei den Mondschnecken: sie bohrt kein Loch in die Schale, sondern wartet seelenruhig ab (im Extremfall zwei Stunden, man hat ja Zeit.......), bis die Muschel irgendwann ihre Klappen öffnet. Dann schiebt Buccinum blitzschnell (kein Scherz.......) den Schalenrand ihrer Mündung in den Öffnungsspalt der Muschel, so dass sich diese nicht mehr schließen kann. Damit kann dann die Mahlzeit beginnen. Der Rüssel mit der Radula wird in die Muschel vorgeschoben und die Zähne tun ihr Werk.......... :shock: . Mit so einer Radula geht das dann auch fix (siehe Abbildung).
Buccinum undatum (Linnaeus, 1758); Exemplar von Deutschland, Borkum. Mit einer Gehäuse-Höhe von 7,2 cm relativ klein (ein anderes Exemplar hier hat eine Höhe von 10,4 cm).
Bild

Radula von Buccinum undatum, lichtmikroskopische Aufnahme (Kontrast-Verstärkung durch Färbung mit Boraxkarmin).
Bild
Liebe Grüße: wolf


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de